Wolfs
-Verhalten
Aus der Zeit, als Wolf und
Hund noch ungefähr das Gleiche waren, stammen auch noch viele Verhaltensmuster
unseres Haushundes, die wir als ,Atavismen" bezeichnen. Es handelt sich
dabei um Verhaltensmuster, die in der früheren Entwicklung einmal einen Sinn
hatten, heute jedoch zu einem instinktmäßigen Ritual geworden sind. So wird
BeIlo häufig auch dann noch mit der Schnauze ,,Erde" über den in der
Zimmerecke versteckten Knochen schieben, wenn er auch selbst nie Gelegenheit
hatte seinen Vorrat im Garten zu vergraben. Und jeder Hundehalter kennt es, dass
Hunde sich erst einmal drei; viermal um sich selbst drehen, bevor sie sich zum
Schlafen niederlegen. Ursprünglich trat der Wolf mit dieser Bewegung das Gras
an seiner Lagerstätte zusammen, dass sich eine KuhIe bildete. All diese
Verhaltensmuster, die auch heute noch bei wildlebenden Wölfen als sinnvolle
Handlungen vorkommen, zeigen die Verwandtschaft.
Auch beim
Gassigehen in der Stadt zeigt sich bei Rüden die Abstammung vom wilden Wolf.
Bisher glaubten die Biologen, der Rüde wolle sein Revier markieren, wenn er an
jedem Baum und jedem Laternenpfahl das ,,Beinchen hebt". Inzwischen ist
aber durch die Verhaltensforscher erkannt worden, daß auch hier ein Atavismus
vorliegt. Aus den Duftmarken' die nicht nur Rüden sondern auch Hündinnen
hinterlassen, können sie ,,lesen", ob die Hündin läufig ist. Nun war es
im Wolfsrudel das Recht des Ranghöchsten' die heiße Hündin zu decken. Als
Zeichen seines Besitzanspruches setzte er seine Duftmarke über die der Wölfin.
Und wehe dem Rangniedereren, der es gewagt hätte, auch noch seine eigene
dazuzugeben. Während der anderen Zeit aber markierte der Rudelboss aber seine
Umgebung mit seiner Duftmarke' um allen Wölfinnen kundzutun, dass hier ein
,,starker Typ ist und auf sie wartet".
Da unsere Haushunde aber
heute die einzigen im Rudel sind, die, die Botschaft der Duftmarken lesen können,
glauben sie, sie seien auch die einzigen in diesem Rudel, die das Recht auf alle
läufigen Hündinnen in ihrer Umgebung hätten. Wie sollte aber ein Hund in der
Großstadt ein Revier markieren. Allerdings, beim Hinterlassen seiner
,,Nachricht" ist unser Bello trotzdem ein kleiner Angeber. Indem er sein
Bein hebt, wird die Marke höher gesetzt, so dass andere Hunde glauben sollen,
er sei größer, als er in Wirklichkeit ist.
Stammvater der ersten
,,Haushunde", die aber bei Weitem immer noch nicht unseren Vorstellungen
dieser Tiere entsprechen, dürfte also eine kleine Wolf-Unterart im
vorderasiatischen Raum sein. Wie der Mensch in der frühen Steinzeit dazu kam,
diese Wölfe in seine Gemeinschaft aufzunehmen, können wir nur erraten.
Wahrscheinlich strichen diese Tiere um die Lagerstätten der Menschen, ernährten
sich von den Abfällen und Resten dieser Gemeinschaften, und, weil sie so auch
gleich die ,,Müllbeseitigung" besorgten, wurden sie von den Menschen nicht
vertrieben.