Wer
war der Urvater der Hunde?
Woher stammt eigentlich der
Hund? Bis vor nicht allzu langer Zeit nahm man an, Wolf oder Schakal seien seine
Vorfahren. Neuere Forschungen allerdings ergaben, dass das alles nicht ganz so
einfach sei. Wenn wir also im Zoo einen Wolf sehen, so können wir trotz der unübersehbaren
Verwandtschaft doch nicht annehmen, einen direkten Bruder unseres geliebten
BeIlo oder Nero vor uns zu haben.
Die Entwicklung der
Lebewesen auf der Erde, Evolution genannt, ging natürlich nicht innerhalb
weniger Jahre vor sich, sondern erstreckte sich über Zeitläufe, die wir uns
kaum vorstellen können. Bereits vor etwa 40 bis 50 Millionen Jahren entwickelten
sich die ersten sogenannten Altraubtiere, aus denen später einerseits die
wasserbewohnenden flossenfüßigen Raubtiere und andererseits die Landraubtiere
hervorgingen. Bei letzteren unterscheiden wir sehr bald die Katzenartigen und
die Hundeartigen.
Zu den
Hundeartigen zählt der Biologe ebenso die Canidae (Hunde), wie auch Bären,
Kleinbären und die Marder. Wir dürfen uns aber nicht vorstellen, dass plötzlich
aus den Hundeantigen, die noch ganz anders aussahen, etwas entstanden sei, was
etwa dem entsprochen hätte, wie wir heute unseren Fifi oder Caesar kennen.
Die Entwicklung ging über mehrere Stufen und mehrere Millionen Jahre, bevor
sich etwa vor 15 000 Jahren die ersten Hunde in der Gesellschaft des Menschen
zeigten. Wie aber war es zu diesem Zusammenleben eines wildlebenden Raubtieres
mit unseren Vorfahren gekommen?
Nach heutigem
Wissen, das wir uns mühsam aus den inzwischen doch zahlreicher werdenden Funden
zusammenreimen, stammt der Hund von einer kleineren Wolfsart ab, die jedoch längst
ausgestorben ist. Neuere Forschungen haben nämlich ergeben, dass Tiere, die in
prähistorischer Zeit vom Menschen gezähmt wurden, zunächst kleiner waren als
ihre wildlebenden Brüder. Daraus kann man schließen, dass der Schakal als
Vorfahre unseres Haushundes nicht, wie man lange vermutete, in Frage kommt; er
ist nämlich kleiner als die „Urhunde" waren, deren Überreste man an den
Lagerstätten prähistorischer Menschen fand. Dazu kommt, dass die Chromosomen,
also die Träger der Erbinformationen in jeder Zelle, mit denen des Wolfes übereinstimmen,
sich aber von denen des Schakals deutlich unterscheiden. Die Abstammung des
Hundes bis hin zum friedlichsten und ängstlichsten Schoßhund vom Raubtier lässt
sich ganz einfach feststellen: Wenn auch die Form des Gebisses zum Teil durch
Züchtung inzwischen verschieden ist, so lassen sich doch typische
Merkmale überall feststellen, wie zum Beispiel die Eckzähne, die als Reißzähne
ausgebildet sind. Der Tiermediziner wird weiterhin darauf hinweisen, dass der
Verdauungstrakt typisch für Fleisch- und Aasfresser ist, also alles Merkmale,
die bereits bei den Urtypen der Landraubtiere aufgetreten sind.
Vom Wolf hat der Hund auch
sein Erscheinungsbild geerbt. Er ist ein sogenannter Zehengänger, das heißt,
er tritt nicht, wie beispielsweise wir Menschen, mit der Fußsohle auf, sondern
bewegt sich auf vier Zehen vorwärts. Der Daumen ist dabei stark verkümmert, trägt
aber noch eine Kralle; an der Hinterpfote ist die große Zehe ganz degeneriert.
Wie die Wölfe, aber auch
viele andere Tiere, hat der Hund keine Schweißdrüsen in der Haut. Er kann also
seine Körpertemperatur nicht wie wir durch Schwitzen regulieren, sondern muss
dies auf andere Weise tun. Dabei kam die Natur auf den Trick mit der Zunge: wenn
dem Hund warm wird, lässt er die Zunge aus dem Maul hängen und atmet in
kurzen, heftigen Stößen, er hechelt. Dadurch wird viel Luft an der feuchten
Zunge vorbeigeführt, die Feuchtigkeit verdunstet und entzieht so ihrer Umgebung
Wärme.