Vom Wild- zum Rassehund 

Von planmäßiger Züchtung der Rassen kann man erst seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts, also der allerneuesten Zeit sprechen. Erst da fing man an, auf Rassereinheit Wert zu legen, erst da begann man, Eigenschaften und Aussehen des Hundes aus der Rasse zu beurteilen.

Trotzdem gibt es einige Hundearten bereits in der Steinzeit, auf die alle unsere Haushunde zurückzuführen sind. Auch wenn sie anders aussehen als die heutigen Nachfahren, weisen sie bereits Merkmale auf, auf die man auch heute noch Wert legt, sei es Aussehen, Fähigkeit oder Verhalten.

Vor allem in Russland, in der Gegend des Lagodasees, fand man Überreste des Torfhundes nordischer Ausprägung, ein Vorfahre der sogenannten nordischen Hunde, deren bekanntester Vertreter inzwischen der den Eskimos und Trappern als Schlittenhund dienende Husky mit seinen blauen Augen ist.

Es handelt sich dabei um eine große Familie, war der Torfhund doch in verschiede­nen Ausprägungen über die ganze damals bewohnte Welt verbreitet. Die erste Entwicklung führte zum Torfspitz' von dem als älteste Rassen Wolfsspitz und Klein-spitz abstammen, kleine bis mittelgroße gedrungene Hunde mit dichtem Haarkleid und einem gekrümmten Schwanz, der manchmal sogar zum Ringelschwanz wird. Sehr früh entstand aus den Torfspitzen auch die südamerikanische Rasse der Chi­huahua, heute die kleinsten Vertreter des Hundes auf der Welt.

Ebenfalls verwandt, wenn auch nicht so nahe, ist eine später aufgetretene Nebenlinie aus den Torfspitzen: die Schnauzer und die Pinscher. Nur zwanzig bis 25 Zen­timeter groß wird dabei der Zwerg- oder Rehpinscher, der Pinscher selbst kommt auf knappe fünfzig Zentimeter und der Dobermann schafft etwa siebzig Zenti­meter. Alle sind glatthaarig mit langgestrecktem Kopf und haben einen fast qua­dratischen Bau. Etwa der gleiche Größen-Unterschied besteht zwischen Zwerg- und Riesenschnauzer, wobei der Kleine praktisch eine Miniatur des Großen ist:

kräftiger langgestreckter Kopf auf einem kompakten Körper. Sie sind tempera­mentvolle, kluge und unerschrockene Hunde, die sich hervorragend als Wach­hunde eignen. Dem Dobermann schließlich sieht man seine Abstammung vom Wolfsspitz am wenigsten an. Mit seinem muskulösen Körper flößt er als intelligen­ter Schutzhund Respekt ein.

Eine eigene große Familie innerhalb dieser Verwandtschaft bilden die Terrier. Der Kleinste dabei ist der Yorkshire-Terrier, ein lebhafter, fröhlicher und anhänglicher, aber auch intelligenter und selbstbewusster Hund, der häufig als Schoßhund - fast könnte man sagen missbraucht - wird (wahrscheinlich wird man nie feststellen kön­nen, was er selbst über die Schleife denkt, mit der man oft seinen Haarbüschel am Kopf ,,ziert").

Ihm gegenüber stehen eine ganze Anzahl von Terrier-Arten, die vielseitig einsetz­bar sind, als Jagd-, Hirten- und Schutzhunde. Der Größte, der Airedale-Terrier dient vielfach sogar als Blindenhund.