Sprache ohne Worte 

Andererseits gibt es Verständigungsmittel unter Hunden, die unterschiedlich von denen des Wolfes sind, also erst später entwickelt wurden. Dazu gehört das Bel­len. Wölfe können dies nicht, ihr Verständigungsmittel ist ein Geheul, das jedoch bei Hunden auch vorkommt, man denke nur an den sprichwörtlichen Hund, der den Vollmond anheult. Es gibt Leute, die behaupten, das Gebell des Hundes sei ein Versuch, wie der Mensch zu sprechen.

Wenn ein Mensch von einem Hund verletzt wird, dann ist das normalerweise die Folge davon, dass er entweder die ,,Sprache" des Hundes nicht verstanden hat, oder selbst etwas ausgedrückt hat, was der Hund missverstehen musste. So dürfte die ,,Feindschaft" zwischen Hund und Katze unter anderem ein Sprachproblem sein. Richtet die Katze ihren Schwanz auf, so heißt das übersetzt: ,,Hau ab! Ich bin böse". Das gleiche Signal bedeutet beim Hund genau das Gegenteil: ,,Komm her, ich bin freundlich, vielleicht können wir miteinander spielen!" Wenn also der Hund auf die Katze, die Abwehr signalisiert, zugeht, so fühlt sich diese angegriffen und reagiert entsprechend. Werden aber junge Katzen und Hund zusammen aufge­zogen, dann entsteht dieses Problem nicht, denn beide lernen von Anfang an ,,Fremdsprachen", sie verstehen, was der andere meint, und können sich ent­sprechend verhalten.

Wenn man immer wieder von Angriffen von Hunden auf Menschen liest, so kann man bei genauem Studium dieser Meldungen feststellen, dass der Angegriffene dem Hund falsche Signale zugesandt hat. So ist es zum Beispiel absolut falsch, schnell auf einen fremden Hund zuzugehen, ohne ihm Gelegenheit zu geben, sich dem Näherkommenden zuzuwenden. Sogar wir Menschen reagieren aggressiv, wenn ein anderer Mensch uns plötzlich zu nahe kommt, unsere ,,persönliche Bann-meile" verletzt.

Auch ist es falsch, wegzulaufen, wenn ein Hund auf einen zukommt. Im Hund erwacht dann der Jagdinstinkt, er versucht, das ,,Wild" einzuholen und zu reißen. Fällt der Verfolgte auf seiner Flucht gar hin, so verändert sich das Erscheinungsbild des Menschen im Gehirn des Hundes plötzlich zu dem eines jagdbaren Tieres. Manche Hundeliebhaber meinen, ihrem Liebling fehle zur Vollkommenheit nur noch die Sprache. Dazu ist allerdings zu sagen, dass der Hund doch eine ausge­sprochen deutliche Sprache hat, auch wenn ihm die Worte fehlen. Jeder Hunde­halter weiß genau, was ihm sein Tier mitteilen möchte. Nur handelt es sich bei der Unterhaltung zwischen Mensch und Hund auf Seiten des Tieres um sogenannte ,,nonverbale Kommunikation", eine Art der Unterhaltung, die auch wir Menschen untereinander pflegen. Zum Beispiel geben wir uns bei der Begrüßung die Hand, womit wir zeigen, dass wir keine feindlichen Absichten haben, keine Waffe in der Hand halten. Oder wir drehen jemandem instinktiv den Rücken zu, wir wenden uns ab, wenn wir ihn nicht leiden können.

Apropos: sogar in unserer Sprache übernahmen wir Begriffe, die auch der Hund so haben kann: ,,den kann ich nicht riechen", pflegen wir zu sagen, wenn uns je­mand unsympathisch ist - und jeder von uns kennt Beispiele von anderen Men­schen, die wir wirklich nicht riechen können.