Mimik und Gestik  

Das Meiste aber drückt der Hund durch Mimik und Gestik aus. Sie ist meist so klar, dass sie auch Menschen verstehen, die eigentlich noch nie etwas mit Hunden zu tun hatten. Wenn ein Hund schweifwedelnd auf einen zukommt, vielleicht sogar vor Freude jaulend an einem hochspringt, so ist gar nicht miss zu verstehen, was damit gemeint ist. Andererseits kann man nicht übersehen, was der Hund ausdrücken will, wenn er mit hochgezogenen Lefzen knurrend auf einen zu läuft. Dazu kommt, dass beispielsweise diese letztgenannte Verhaltensart wahrscheinlich schon vor­handen war, als sich vor mehr als dreißig Millionen Jahren die einzelnen Zweige der Evolution der Landtiere aufspalteten. Wenn wir Menschen in Wut geraten, dann fletschen wir nämlich auch die Zähne und sagen dann: dem habe ich aber die Zähne gezeigt!

Ebenso ist es eine angeborene Instinkt-Handlung, wenn der Hund seinem Herren die Hand leckt. Es handelt sich dabei um eine ritualisierte Körperpflege, die der erwachsene Hund den Welpen angedeihen lässt. Auch innerhalb eines Wolfs­rudels lässt sich dieses Verhalten als Sozialpflege beobachten. Der Hund möchte damit seine Freundschaft und Liebe mitteilen, so wie sich Menschen küssen und gar nicht mehr wissen, dass es sich dabei um einen zum Ritual gewordenen Fütterungs­akt handelt.

Aber nicht nur über so klare Ausdruck-Außerungen, wie Freude oder Aggression verfügt der Hund, sondern er kann sie auch zu exakteren und komplexeren Äußerungen miteinander kombinieren. Signalisiert er zum Beispiel Kampfbereitschaft, so zieht er die Oberlippe hoch, öffnet das Maul ein wenig und legt Schnauze und Stirn leicht in Falten. Die Absicht zur Flucht dagegen wird durch zurücklegen der Ohren und Zurückziehen der Mundwinkel angezeigt. Indem sich diese beiden Reaktionen mehr oder weniger überlagern, zeigt der Hund seinem Gegner an, wie weit er überhaupt bereit ist zu kämpfen, oder ob es sich um ein Imponiergehabe handelt, das nicht so ganz ernst zu nehmen ist.

Unvergesslich wird auch jedem das Bild eines traurigen und verlassenen Hundes in Erinnerung bleiben, der es einmal gesehen hat. Den Schwanz zwischen die Hinter­beine geklemmt, den Rücken gekrümmt, der Kopf gesenkt, so bietet er ein Bild des Jammers, so dass wir sogar den Ausdruck ,,jemand sieht aus wie ein geprügelter Hund" in unseren Sprachgebrauch übernommen haben.

Oder gar der streunende Hund, der auf einmal neben dem Tisch im Restaurant auf­taucht und um Fressen bettelt. Wahrscheinlich gibt es niemanden, der diese Auffor­derung missverstehen könnte. Und wenn der Bettler dann gar noch nicht nur seine angeborene Mimik und Gestik anwendet, sondern auch ,,Sprachmöglichkeiten"' die er erlernt hat, wie zum Beispiel Männchen-Machen, dann wird jedem klar, was gemeint ist.