Kreuzungen und Mischlinge 

Neben diesen unter allem Vorbehalt ,,Reinrassigen" bevölkern heute noch zahlreiche weitere Kreuzungen zwischen den Urrassen die Welt. Sie gelten inzwischen zwar nicht mehr als Mischlinge oder Bastards, sondern ihre Besitzer sind häufig der Meinung, diese Rasse, aus der ihr Hund stammt, sei schon seit Jahrhunderten da. Zudem gibt es sogar ,,reinrassig" gezüchtete Gebrauchshunderassen, die von den Zuchtverbänden nicht oder noch nicht anerkannt sind, so dass sie streng nach den Regeln ebenfalls als Bastarde zu bezeichnen wären. Beispiele dafür sind der Fox­hound und der Otterhund.

Die häufigste ,,Hunderasse" auf der Welt dürften die Mischlinge sein, häufig ver­spottet, meist aber von ihren Besitzern heiß geliebt. Wenn man so will, sind sie ge­nau so ,,reinrassig" wie der edle Abkömmling irgend einer seltenen Züchtung, von denen ein Welpe mehrere tausend Mark kostet, denn was machen schon ein paar Jahrhunderte oder gar nur Jahrzehnte aus, wenn man bedenkt, wie lange der Hund schon in der Gesellschaft des Menschen lebt. Und manche Hunderasse mag entstanden sein, weil man bei einerzufälligen Kreuzung auf einmal Merkmale entdeckte, die dem Menschen wertvoll erschienen. Warum sollte also der Besitzer eines Mischlings also nicht seinen geliebten Pudel-Mops-Dackel-Spitz-Windhund als ,,Tibetanischen Tempelhund" vorstellen.  Als der Mensch anfing, Rassen von Hunden heranzuzüchten, kam es ihm dabei nicht auf die Abstammung an, wie heute, sondern vor allem darauf, bestimmte Eigenschaften und Merkmale zu verstärken, andere zu unterdrücken, weil er die Hunde für bestimmte Zwecke einsetzen wollte. So ist es klar, dass ein Hund, der für die Dachs- oder Fuchsjagd kleiner sein muss, als einer, der zur Hirschhatz eingesetzt wird, weil er ja in den Dachsbau hinein muss, um diesen aus seinem Bau herauszu­treiben. Größe wäre hier sogar hinderlich.

Dem Boxer hingegen hat man beispielsweise die lange Nase bewusst durch Kreu­zung weggezüchtet. Er sollte nämlich für die Bärenjagd dienen. Wenn sich der Hund aber in dem Bärenfell verbeißt, würde er in dem dichten und dicken Pelz jäm­merlich ersticken, säße nicht die Nase an der Oberseite der kurzen Schnauze. Da die Jagd schon immer eine Sache des Adels war, war auch die Hundezucht Angelegenheit dieses Standes. Die Tiere wurden weitgehend nach den Bedürfnis­sen der ,,Hohen Herren" herangezüchtet, wenn es auch im bäuerlichen Bereich eine Zucht gab, die aber normalerweise nur auf Hüte- und Wachhunde wert legte.

Erst wesentlich später in der Entwicklung der Menschheit, nämlich dann, als sich Kulturen gebildet haften, denen Luxus etwas Selbstverständliches waren, kam der Mensch auf die Idee, Hunde nach seinem Schönheitsideal zu züchten. So tauchen die sogenannten Schoßhunde erst relativ spät auf. Und etwa in der Mitte des 18. Jahrhunderts bildeten sich dann auch die ersten Zuchtverbände, die Merk­male und Eigenschaften der einzelnen Rassen festlegten, heute erarbeiten nationa­le und internationale Verbände die Standorts, nach denen bei Rasse-Ausstellun­gen Punkte vergeben und Sieger gekürt werden. Wobei allerdings nicht vergessen werden darf, dass es bei diesem ,,Geschäft" neben der Ehre der Züchter auch um riesige Summen geht. Wie dem auch sei, der Hund - reinrassig oder nicht - ist seit Jahrtausenden der beste Kamerad des Menschen, häufig auch sein bester Helfer.