Hunde-Berufe 

Wie bereits gesagt, hatte sich der Mensch den Hund als Hausgenossen ge­nommen, weil er ihm bei der Jagd oder beim Hüten des Viehes nützlich war. Das erklärt aber noch nicht, warum heute auch in den Großstädten immer noch eine große Zahl von Hunden lebt - die wenigsten Menschen sind heute noch Jäger, und dank des elektrischen Weidezaunes brauchen die Bauern heute auch keine Hütehunde mehr, es sei denn, die Wanderschäfer. Und selbst auf dem Lande hat heute die elektronische Einbruchssicherung häufig die Aufgabe des scharfen Wachhundes übernommen.

Der Grund für die Tatsache, dass sich viele Menschen Hunde halten, liegt zum einen darin, dass es auch heute noch Aufgaben für sie gibt, die noch nicht durch moderne Hilfsmittel erledigt werden können.

So gibt es zwar inzwischen für Blinde radar-, infrarot- oder ultraschallgesteuerte ,,Sehhilfen", doch ist bisher der Blindenhund noch nicht zu ersetzen. Wie soll ein derartiges Gerät auch mitdenken können, dass der Briefkasten im Wege sein könnte oder nicht, dass das herankommende Auto zwar schon ziemlich nahe, dafür aber recht langsam ist. Der ,,Beruf" des Blindenhundes ist die Krönung und Spitze der Ausbildung und Lernfähigkeit eines Tieres und erfordert ein Höchstmaß an Intelligenz. Man stelle sich nur einmal vor, jemanden, der doppelt so groß ist, wie man selbst, durch eine ungewohnte Umgebung zu führen. Hindernisse in drei Meter Höhe, die uns selbst gar nicht zu interessieren brauchen, sind für den ande­ren gefährlich, Durchgänge, die für uns passierbar sind, bieten dem anderen un­überwindliche Probleme. Der Hund, der selbst farbenblind ist und die Welt wie auf einem Schwarz- weiß- Fernseher sieht, muss erlernen, welche Fußgängerampel grün zeigt, damit Herr und Hund die Straße gefahrlos überqueren können.

Der oft bestaunte Polizeihund dagegen tut eigentlich nur das, wozu er seit Jahrtau­senden gezüchtet wurde: er hütet eine Herde und wehrt Feinde ab. Allerdings muss er dabei noch eine ganze Menge dazu lernen, denn ein Biss in die falsche Schafswade hat andere Folgen als der in die Wade eines Menschen. Allerdings braucht man für die Arbeit eines Polizeihundes andere Voraussetzungen: während das Aussehen für den Blindenhund eigentlich vollkommen egal ist, muss der Polizei­hund ein respekteinflößendes Äußeres haben, weshalb man für diesen Zweck meist den Deutschen Schäferhund, aber auch Rottweiler, Boxer und Dobermann einsetzt.

Ein anderes Einsatzgebiet für Hunde ist heute der Zoll. Denn selbst mit Hilfe der modernsten Gas-Chromatographen ist es zum Beispiel immer noch nicht möglich, geschmuggeltes Rauschgift im Gepäck von Reisenden zu finden, wie es dem Zoll- oder Polizeihund mit seiner feinen Nase mühelos gelingt. Hier setzt man ebenfalls den Deutschen Schäferhund ein, gerne aber auch die Cocker-Spaniel, weil sich herausstellte, dass sie für diesen Zweck eine besonders feine Nase haben.

So mancher Skifahrer, der unter einer Lawine verschüttet lag, verdankt sein Leben einem Suchhund, wenn auch die Mönche am Großen Sankt Bernhard die Zucht der weltbekannten Bernhardiner eingestellt haben, weil niemand mehr zu Fuß über diesen Pass geht.

Hunde lernen aber nicht nur, weil ihnen der Mensch etwas beibringt, sie sind auch in der Lage, aus eigener Erkenntnis heraus folgerichtig zu handeln. Aus all dem geht hervor, dass der Hund als Abkömmling des Wolfes im Menschen seinen Rudel-Anführer gefunden hat, dem er sich unterordnet und mit dem er versucht, sich so gut wie möglich zu stellen. Er benützt seine Intelligenz und das, was er als Instinkt ererbt hat, zum Nutzen des Menschen. Dieses Wissen, das den Stein­zeitleuten vollkommen klar war, ist heute weitgehend verloren gegangen.

Als Rudeltier braucht der Hund aber auch seine Ordnung und das Wissen, wo er hingehört. Seine Haltung, Führung und Erziehung muss konsequent sein. Hunde, die ihren Platz in der Hierarchie des Rudels nicht finden können, werden im wahrsten Sinne des Wortes neurotisch. Nicht umsonst haben sich in den letzten Jahren in unseren Großstädten Tierpsychiater etabliert, die versuchen, die schlimmsten Fehler, die der Mensch dem Tier angetan hat, wieder auszubügeln.

Am schlimmsten aber ist es, wenn Hunde unüberlegt angeschafft, oder als Weih­nachts- oder Geburtstagsgeschenk in die Hände von Menschen kommen, die gar nichts damit anzufangen wissen. Unsere Tierasyle sind voll von Tieren, die man zwar erst ,,süß" fand, die aber bei der Fahrt in den Urlaub im Wege waren und dann einfach ausgesetzt wurden.