Helfer
des Menschen
Nach
einiger Zeit bemerkten die Steinzeitleute, dass sie neben der Reinigungstätigkeit
durch diese kleinen Wölfe auch noch andere Vorteile von deren Anwesenheit
haften: näherkommende Gefahren und Feinde witterten die Tiere viel früher, als
es den Menschen möglich war. Zwar wissen wir es nicht genau, aber
wahrscheinlich hatte irgendeiner der Steinzeitleute ein Wolfsbaby, dessen Mutter
tot war, aus Mitleid aufgezogen, so dass der junge Wolf später auch keine
Scheu vor den Menschen hatte, sondern sie als sein ,,Rudel" ansah. Er
verhielt sich also so, wie er es in einem wildlebenden Wolfsrudel auch getan hätte, er warnte vor sich nähernden
Feinden, spürte das Wild auf und trieb es den Jägern zu. Kurz, er verhielt
sich so, wie es ihm sein Instinkt befahl, ebenso, wie heute ein junger Hund
bestimmte Dinge nicht lernen muss, sondern instinktmäßig tut.
Nach
und nach gewöhnte es sich auch die anderen Jäger an, diesen neuen Genossen
mit auf ihre Streifzüge zu nehmen. Es fiel ihnen dabei nach einiger Zeit auf, dass
die Nase des neuen Haustieres viel feiner und der Geruchssinn viel ausgeprägter
war, als ihr eigener. Sie richteten den ,,Hund" also bewusst darauf ab, das
Wild aufzuspüren und es ihnen zuzutreiben. Als Dank erhielt der Helfer nach der
Jagd die Abfälle, wie die Innereien und die vom Menschen nicht verwertbaren
Teile der Knochen und Knorpel.
Denkbar
- und auch viel wahrscheinlicher - aber ist es auch, dass der Hund zuerst gar
nicht als Jagdgefährte angesehen wurde, sondern eher sogar als ein jagdbares
Wild und als Nahrungslieferant.
Wie
dem auch sei, in der Mittleren Steinzeit (Mesolithikum) taucht der Hund bereits
als Gefährte des Menschen auf, wenn dieses Tier auch noch ganz und gar nicht
unserer heutigen Vorstellung von unserem Hausgenossen entspricht. Jedoch hafte
er bereits gelernt, sich in das ,,Rudel" einzufügen und den Befehlen
seines Herren zu gehorchen.
Aus
der Jungsteinzeit und dem Beginn der Bronzezeit haben wir häufigere Funde, die
von der Anwesenheit von Hunden in den Pfahldörfern künden. Zuerst belegten die
Forscher jeden einzelnen Fund mit einem eigenen wissenschaftlichen Namen, später
fasste man alle diese Varianten unter dem Begriff ,,Canis familiaris palustris",
volkstümlicher als ,,Torfhunde, Torfspitze, oder Pfahlbauspitze" zusammen,
obwohl sie noch absolut wenig mit unseren heutigen Spitzen zu tun haben. Manche
Wissenschaftler lehnen daher diese Zusammenfassung ab, weil sie ihnen die
Vielfalt der verschiedenen Gruppierungen zu sehr einengt.
Die steinzeitlichen Menschen waren sicher noch keine ,,Hundezüchter"
im heutigen Sinne, die auf Rassereinheit, oder auf bestimmte Merkmale achteten,
obwohl auch sie schon die Tiere wahrscheinlich nach besonderen Merkmalen oder Fähigkeiten
aussuchten. Allerdings lebten die Hunde mehr oder minder wild und kreuzten sich
selbst, etwa so, wie das heute noch vielfach auf dem Lande der Fall ist, wo auch
kein Bauer auf die Idee käme, sich seinen Hofhund nach der Rasse auszusuchen,
es sei denn, er wäre gleichzeitig Züchter oder Jäger, oder hätte aus anderen
Gründen Interesse an einer bestimmten Rasse. So lassen sich kaum direkte
Vorfahren unserer heutigen Hunderassen ermitteln. Sie entstanden aus immer neuen
Kreuzungen, aus immer neuen Mischungen, wobei wahrscheinlich sogar immer wieder
Wölfe oder Wildhunde sich einmischten, oder durch Inzucht ganz bestimmte
Eigenschaften oder ein ganz bestimmtes Aussehen herausgezüchtet wurden, die
dann wiederum später durch Kreuzung mit anderen Rassen verstärkt wurden.